Grand Prix Siege

Christian Lautenschlager (1877-1954) 

Christian Friedrich Lautenschlager (1877-1954)

 

Rennfahrer Christian Lautenschlager

 

Wiewohl mir Wirteberger die weltweit besten Automobile bauet von
altersher, ka mr die berühmte Rennfahrer aus onserm Wirteberg an
oiner Hand uffzähle: Da war der Karl Kling, der Kurt Adolff, der
Hermann Lang, der Hans Herrmann. Ond ganz vorne dra en dr
Poulposischen isch der Christian Lautenschlager.

 

Sei Vatter isch der Schuhmacher (!) Johannes Lautenschlager gwä
ond sei Muetter des Häfnerstöchterle Elisabethe Barbara Dorothea
Wolbold, ond dui hat ihn am 13. April 1877 en Magstadt uff d'Welt
bracht. Dort isch'r au en d'Schuel gange ond nach dr Konfirmation
hat'r en Stuegert a Schlosserlehr gmacht, ond des isch alleweil koi
Honigschlecke gwä. Ond wien'r ausglernt ghet hat, isch'r uff d'Walz
gange ond bis nach Zürich ond Luzern komme, ond schließlich hat
der schwäbische Schlossergsell bei de Sachse gschafft, en
Chemnitz en're Fahrradfabrik.

 

Da hat ihn anno 1899 dr Gottlieb Daimler no höchstpersönlich wieder
nach Wirteberg gholt ond ihn bei sich als Monteur einstellt. Ond anno
1905 hat ihn der geniale Wilhelm Maybach oigehändig zom "Meister
in der Fuhrabteilung" befördert, ond isch so au mit für die Rennauto
zueständig gwä.

 

Em Jahr druff darf'r scho als Bordmechaniker em Rennwage vom
Otto Salzer (1874-1940) beim V. Internationale Ardennen-Rennen
mitfahre ond 1907 beim Kaiserpreis em Taunus.

 

Die Mercedes aber send net arg erfolgreich gwä ond em Ziel drherkomme wie de alt Fasnet. Ond dr Daimler hat emmer weniger Karre verkauft ond Kurzarbeit eigführt. Da hat dem mittlerweil verstorbene Gottlieb sei Jonger, der Technische Direkter Adolf Daimler, den Lauteschlager selber ans Steuer vom Rennwage glasse ond hat ihm 40 000 Reichsmark verspreche, wenn'r je den Großen Preis von Frankreich gwennt. A Wahnsinnsgeld isch des scho selbichsmol gwä, denn da hätt'r sich seinerzeit genau 80 000 Quadratmeter Bauplatz em Sonneberg drfür kaufe könne...

 

Ein Rennwagen mit 140 PS

 

Der Große Preis von Frankreich isch zu dere Zeit des oinzige Grand-Prix-Renne gwä ond bsonders wichtig für den Omsatz. Ond da hat onter anderem au dr Benz, dr Opel, dr Renault, dr Panhard ond Fiat mitgmacht. Ond em Gottlieb sei andrer Jonger, der Paul Daimler, der hat dem Christian extra en Karre mit 140 PS konstruiert.

 

Mit dem goht'r anno 1908 en Dieppe an de Start ond fahrt halt au mit Köpfchen, ond scho nach dr Hälfte vom Renne liegt'r ganz vorne, ond trotz fuffzehn Roifewechsel kommt'r mit neun Minute Vorsprung als Erster ens Ziel.

 

Ond die ganze 350 000 Zuschauer jublet dem schnelle Schwabe zue, ond der "Überraschungs- sieger Lautenschlager ist mit einem Schlage weltberühmt". Ond jetz isch dr Daimler saniert, denn jeder Krethi ond Plethi mit Geld uff dere Welt will seiterher au so en klasse Karre, ond en Onderdirkne könnet se jetz dui Produktion fast verdreifache. Ond se hend's gar nemme needich, dass se bei dene teure, lebensgfährliche ond gschuckte Wettrenne da mitfahret.

 

Erst anno 1914, kurz bevor des gradso grausame wie sinnlose Völkerschlachte vom Erste Weltkrieg afangt, machet se wieder mit beim Grand Prix, desmol en Lyon.

 

Ond es kommt zom große Zwoikampf zwischen dene zwoi große altwirtebergische Automobil- fabrike, nämlich zwische Peugeot (Sochaux bei Mömpelgard) ond Daimler (Onderdirkheim bei Cannstatt).